Es gibt nur wenige Menschen, die eine richtige Liebe zu Walnüssen entwickelt haben, aber diese bei denen es gegeben ist, werden sich wahrscheinlich am Southern Comfort Whiskey Likör mit 35 Volumenprozent erfreuen können; nicht weil er per se nach Walnuss schmeckt, jedoch da das Geschmacksprofil einer Walnuss ziemlich nahekommt. Die Flasche des Likörs ist eine ziemliche Standardflasche für leichte Whiskeys des unteren Preissegments1 und könnte genau wie das auch durchgehen, ist jedoch ein Likör und kein Whiskey. Der Geruch gibt den Geschmack des Likörs relativ gut wieder, jedoch ist die leichte Bitterkeit kaum riechbar, während sie, auch wenn sie, wie das ganze Getränk, ziemlich zart ist, noch maßgeblich zum Geschmack beitragen wird.
Kostet man seinen ersten Schluck, kommt einem die bereits erwähnte zarte Bitterkeit einer Walnuss entgegen2, die dann leider in chemisch-scharfe von Alkohol übergeht3, welches dann wiederum mit einer leichten Säure harmoniert4, die sich im weiteren Verlauf zu etwas komisch milchig-Cremigen formt. Der Alkoholgeschmack verlässt vor dem Herunterschlucken nicht wirklich den Mund, lässt sich aber ausblenden, bis die nussige Bitterkeit wieder in Erscheinung tritt, welche mit dem Cremigen das formt, was dann letztendlich zu dem Hauptgeschmack der "Walnusscreme" wird5.
Der Gesamtgeschmack bleibt allerdings nicht sehr intensiv, sondern eher zart, was sich bedauerlicherweise nicht positiv auswirkt, sondern dafür sorgt, dass der selbst zarte Alkoholgeschmack eine große Rolle einnimmt, während man das hätte vermeiden können, würde der Hauptgeschmack mehr herausstechen. Im Nussigen findet sich zwar definitiv eine Süße6, allerdings wäre es trotzdem sogar besser gewesen, hätte man den Alkoholgeschmack im Likör einfach mit noch mehr Süße übertönt, anstatt ihn seinen Platz frei entfalten zu lassen7.
Das, was das cremige wirklich gibt, lässt sich kaum herausschmecken, da tatsächlich prozentual viel vom Alkoholgeschmack eingenommen wird und die anderen Geschmäcker viel zu intensiv bleiben. Interpretieren lässt sich in den Hauch von Creme viel, aber das einfachste scheint es zu sein, die Aromen, aus denen der Alkoholgeschmack ursprünglich hervorgeht, und mit der Creme zu verbinden, woraus sich dann eben etwas Walnussähnliches bildet8. Angegebene Vanille kann man zwar auch rausschmecken, doch dies erfordert wirklich Konzentration. Mit viel Fantasie lässt sich ebenfalls die angegebene Orangennote erkennen, allerdings lässt sich getrennt vom Alkohol wirklich alles in diese leichten Noten interpretieren. Für mich bleibt es jedoch bei einer Nuss, sollte man es wirklich trinken wollen und nicht anstreben, irgendeine Art von Fantasiespielen im Geschmack zu spielen.
Im Nachgeschmack bleibt hauptsächlich nur das Cremige zurück, was den Interpretationsspielraum noch mehr erweitert. Ansonsten bleibt auch nur Alkohol zurück. Für mich ist der Southern Comfort trinkbar, aber definitiv kein Favorit, jedoch war ich auch noch nie ein großer Freund von einem "Bitternuss"-Geschmack. Trotzdem muss ich auch stark bezweifeln, dass Freunde dieses Geschmacks sich vollkommen in diesem Likör wiederfinden können. Alles hier ist so zart und fern ab von Intensivität, dass es wohl fast allen ein bisschen passt, aber den wenigsten stark9. Dieser Minimalismus hat vielleicht auch ein paar Vorteile, wie der leichtere Übergang zu anderen Getränken, aber ansonsten höchstens ein pasabler Likör, trinkbar jedoch definitiv10.